62 Portraitfotos von Menschen mit Down-Syndrom vor einer Wand in einem Ausstellungsraum
21.03.2019

Wir sind genervt!!

Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Eigentlich wollten wir zu diesem Anlass lustige Fotos von verschiedenfarbigen Socken mit Euch teilen, schöne Zitate des Ohrenkuss-Teams und laut hurra rufen.

Aber: Wir haben es uns anders überlegt. Wir sind genervt! Wir wollen reden. Wir haben Fragen.

Was ist passiert?

Vor gut zwei Jahren gab es die Ausstellung TOUCHDOWN in der Bundeskunsthalle in Bonn. In der Ausstellung war eine Foto-Serie zu sehen. Sie heißt „Ich bin nur einmalig“. Die Freiburger Fotografin Britt Schilling hat für diese Serie inzwischen mehr als 60 Menschen mit Down-Syndrom aus verschiedenen Ländern portraitiert. Seitdem gehen Fotos ihrer Arbeit um die Welt. Wir finden: Zu recht. Denn die Fotos sind großartig.

Aber wir sind sauer: Die Fotos werden nicht verwendet, um über die Ausstellung zu berichten. Oder über die Arbeit von Britt Schilling. Oder über die abgebildeten Personen. Nein, die Fotos werden verwendet, um alle erdenklichen Themen zu illustrieren: Wahlrechtsausschlüsse, sexuellen Missbrauch in Werkstätten oder, tagesaktuell, den Weältdownsyndrom-Tag.

Die Gesichter unserer Kolleginnen und Kollegen werden verwendet, um alle erdenklichen behindertenspezifischen Themen zu illustrieren. Und weder die Fotografin, noch die abgebildeten Personen wurden jemals gefragt, ob eine Verwendung für sie in Ordnung ist. Das Copyright der Fotografin wird nicht genannt.

Wir haben uns einen Anwalt gesucht. Wir haben jeden dieser Fälle belegt und dafür gesorgt, dass die Bilder zumindest aus den Online.Beiträgen entfernt werden. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Wir machen es trotzdem. Aber es passiert immer wieder. Zuletzt heute morgen im Morgenmagazin der ARD. 

Was ist da los? Haben Menschen mit Down-Syndrom kein Recht am eigenen Bild? Warum wird es, trotz neuer Datenschutzgrundverordnung, so konsequent missachtet? Wir sind ratlos!