Erinnern ist Arbeit: Fotos und Texte zu Buchenwald

„Weil es gut und wichtig ist, darüber zu sprechen“ Johanna von Schönfeld.
Ausstellung zum Thema „Buchenwald“, Alte Apotheke, Hauptstraße 47, 69190 Walldorf
22. März – 14. Mai 2015 // sonn- und feiertags 14 – 17  // Telefon: 06227 2526

Rikola Lüttgenau, Katja de Bragança und Daniel Rauers

Der Verein „Kunst für Walldorf“ hat zu der Ausstellung „Mut in Ohnmacht“ eingeladen: Fotos und Texte zu Buchenwald.
Rikola-Gunnar Lüttgenau, stellv. Direktor Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und Dr. Katja de Bragança, Chefredakteurin „Ohrenkuss“ Magazin haben in der Laurentius Kapelle einleitende Worte gesprochen. Musikalisch begleitet wurden sie von den Timo Jouko Herrmanns Violinenspiel.

Rikola Lüttgenau verlas einen Auszug von Fred Wander, der über die „Blutstraße“ in Buchenwald Anfang 1945 berichtet hat.  Sehr direkt der Text von Ruth Klüger, die beschreibt, wie sie selber fliehen konnte und „inkognito“ in Straubing einen Todesmarsch hat vorbei ziehen sehen. Primo Levis Text beschrieb den Blick, die Augen der amerikanischen Soldaten am Tag der Befreiung Buchenwalds: „Ich werde niemals Eure Augen vergessen. Eure Augen. Ihr schautet und schautet. Es war so, als suchet Ihr mit Euren Augen die Realität zu verändern. Sie spiegelten Erstaunen wider, Befremden, endlosen Schmerz und Zorn. Ja, Zorn vor allen“. Katja de Bragança erklärte dem Publikum, wie die Ohrenkuss-Texte zu den Fotos von Claus Geiss entstanden sind. In einer Denkwerkstatt Buchenwald im Januar 2015 in Bonn hat eine Gruppe von Ohrenkuss-AutorInnen mit Rikola Lüttgenau viele Stunden gearbeitet. Als ausgewählte Texte verlesen wurden, entstanden die Portraits. Einen Teil der Texte sind neben den großen Fotos zu lesen.
Zwei Serien Fotos von Claus Geiss sind zu sehen: Übergroße Portraits der Ohrenkuss-AutorInnen und Originalspuren der Architektur in Buchenwald. Diese Fotos werden in einem abgedunkelten Raum gezeigt. Die Dias werden von hinten beleuchtet, so scheint der verwendete Goldfilter fast überirdisch. Passend zu der Ohrenkuss-Ausgabe „Jenseits von Gut und Böse“ (2005), die sich mit dem menschlichen Wechselbad zwischen dem Guten und Bösen beschäftigt hat. Wie schnell geht das, warum? Darf man sich in Buchenwald über das schöne Wetter freuen? Was können wir heute tun? Ohrenkuss Autor Daniel Rauers (auf dem Portrait auf dem Foto zu sehen) erklärt: „Es ist schwierig dazu etwas zu sagen.“
Verena Günnel schreibt: „Es ist auch viel Verantwortung zu nehmen: Wissen was in Buchenwald passiert ist. Ich wusste das nicht.“ Johanna von Schönfeld ergänzt: „Ich bin froh! Dass die Zeit vorbei ist. Weil das Geschehen nicht mehr auftauchen sollte. Denn es ist wichtig, dass man sich das Geschehen ins Gedächtnis ruft. Weil es gut und wichtig ist, darüber zu sprechen.“

Während der Ausstellung (mehr als 100 Gäste waren da) kam es zu vielen Gesprächen. Viele meinten: „Das habe ich so nicht gewusst. Es ist gut, dass wir hier mehr erfahren. Walldorf kommt in Bewegung!“.

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