Mein Treffen mit den Leuten der Arche Noah

Ein Text von Michaela Koenig und Katja de Bragança (Fußnoten)

Unser erstes Treffen war auf den Steinhofgründen, einer großen Parkanlage neben dem Wienerwald, ich nahm meine rote Mappe mit meinen vielen Geschichten mit.

Wir setzten uns zu einem Tisch, ich zeigte … meine Geschichten, Katja las einige Geschichten von mir vor. Den Leuten von der Arche Noah [1] gefielen meine Geschichten sehr gut, sie nahmen mich als Redakteurin der Zeitung [2] auf, ich war begeistert …

Ich war sehr geschmeichelt, und als wir dann mit meinen Geschichten fertig waren, gingen wir zum Schützenhaus. Im Schützenhaus sitzend, erzählten sie mir von der Zeitung, es liefen Kinder [3] mit und ohneDown Syndrom durch die Gegend, wir aßen dort eine Kleinigkeit und tranken etwas …

Am nächsten Tag, als ich im Kindergarten [4] arbeitete, freute ich mich zur Arche Noah zu gehen. Am Montag, als ich zur Arche ging, sah ich vor dem Zelt [5] ein paar Leute stehen, sie kauften sich Prospekte [6] und schauten sich die Ausstellung [7] an, sie waren von den tollen Sachen sehr begeistert und sie sahen uns zu, wie wir die Hölzer schnitzten [8] . Sie waren sehr hingerissen von den Sachen die wir herstellten, es kamen immer mehr Leute um sich das anzusehen [9] was wir machten, sie grinzten und sie lächelten, ja, sie freuten sich direkt. Der Ausdruck auf den Gesichtern der Leute sagte schon, sie haben das alles wirklich wunderbar geschafft, und wir sind stolz auf sie und ihre Arbeit. Als ich an diesem Tag nach Hause kam, war ich sehr müde. Als ich am Dienstag [10] zur Arche Noah kam, gingen wir gemeinsam zum Café Demel, dort schrieben[11] wir eine Liebesgeschichte, es war sehr inspirierend, aber auch sehr aufschlußreich, das Café war auch sehr berühmt. Als ich am Mittwoch wieder bei der Arche war, rief mich Katja zu sich, ich sollte den Kindergärtnerinnen Schülerinnen von meiner Arbeit in dem Kindergarten erzählen [12] , was ich auch tat. Die waren alle sehr von mir beeindruckt, an diesem Tag konnte ich leider nicht in den Zirkus [13] gehen, ich wollte zwar mitgehen doch ich mußte am nächsten Tag arbeiten und ich war ziemlich müde.

Am Donnerstag ging ich zu Marietta, meiner Arbeitsassistentin, wir redeten über meine Zukunft, danach ging ich wieder zur Arche Noah. Wir gingen zum Café Hawelka, die Katja und ich gingen zum Klo, dort zog ich mir mein Kleid an, ich legte mir den Schmuck um und schminkte mich, als wir dann rauskamen, war ich ein bißchen aufgeregt [14] . Also entspannte ich mich und es ging los, ich war ganz Cool, aber ich war auch lässig, es ging alles locker von der Bühne.

Danach gingen wir zum Chinesen, das essen dort war sehr gut, ich amüsierte mich großartig, dann bestellten wir zwei Taxis, wir fuhren zu den Bilderwerfern [15] . Wir kamen leider ein bißchen zu spät, weil es schon anfing. Die Bilderwerfer waren sehr toll. Der Christian war ein toller Schauspieler und ein toller Tänzer … die anderen waren auch sehr toll, wir tranken dort etwas und ich sprach auch mit dem Christian, dann setzte ich mich auf die Stufen, da zeriß mein Kleid, “Ein Opfer wurde da gebracht“ sagte die Katja. Ich fuhr dann erst sehr spät mit dem Taxi nach Hause.

Am Freitag war leider schon der große Abschied, ich war ein wenig traurig, weil es schon zu Ende war. Wir gingen alle noch einmal zur Ausstellung in das Zelt hinein. Wir stellten alle im Kreis auf und wir schnitten uns je ein Erinnerungsband ab, wir hatten einen Wunsch offen, ich wünschte mir, daß ihr bald wiederkommt [16]und daß wir uns noch sehr oft wiedersehen, ich werde euch nie vergessen, ihr seid meine besten Freunde geworden, ich hoffe wirklich, daß wir uns sehen werden, egal wo, Hauptsache wir sehen uns … Bis bald! ENDE

  1. Die Reise des integrativen Kunstprojektes Arche Noah begann 1997 in Bonn, anschließend wurden zahlreiche deutsche Städte bereist.
  2. Gemeint ist Ohrenkuss …rein, da raus, das Magazin gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Angela und Marc (beide aus Bonn) waren mit in Wien, gehörten zu dem Arche Noah Team und sind Redakteure von Ohrenkuss …da rein, da raus.
  3. Es trafen sich zahlreiche Wiener Familien mit dem Arche Noah Team aus Deutschland: Insgesamt bestand das Arche Noah Team diesmal aus sechsundzwanzig Menschen, davon sieben mit Down-Syndrom im Alter von zwei bis neunundzwanzig Jahren.
  4. Michaela arbeitet halbtags in einem Wiener Kindergarten.
  5. Die Arche Noah stand während der Wiener Etappe auf dem Platz am Hof. Gastgeberin war diesmal dieÖDSG, die Österreichische Down-Syndrom Gesellschaft und Sponsor die BANK AUSTRIA.
  6. Der Infomationsstand vor der Arche wurde von Wiener und deutschen Eltern mit ihren zahlreichen Kindern mit und ohne Down-Syndrom betreut.
  7. Es wurde eine Kunstausstellung mit Werken behinderter Künstler gezeigt, zahlreiche Führungen wurden angeboten. Zu sehen waren: die Bergziege aus Kreta, geschaffen von einer Gruppe Sonderschüler. Die Elvetritsche aus Rheinlandpfalz, ein geheimnisvolles Fabelwesen, geschaffen von einer Wohngruppe aus Waldfischbach. Ein Gürteltier aus Brasilien, ein hölzernes Krokodil aus Angola, geschaffen von einem Mann, der beide Beine verlor, als er auf eine Landmine trat. Der verzauberte bunte Schirm einer blinden Schülerin aus Fürstenwalde/Spree. Das Schaf (oder war es ein Hund? Wir konnten uns nie einigen) aus Coburg, die geheimnisvolle Katze mit den grünen Augen aus Oberkassel und als Wächter die Tigerkatzen aus der Werkstatt Rodenkirchen bei Köln. An den Zeltwänden hingen Ölbilder der Künstlergruppe “Ausdruck“, Cochem an der Mosel. Zahlreiche Kunstwerke wurden verkauft, der Erlös kommt den jeweiligen Künstlern zugute.
  8. Die Arche Noah bietet immer künstlerische Workshops an: diesmal wurde mit Holz gearbeitet, die Teilnehmer konnten bei dem Bonner Bildhauer Peter Kurenbach lernen, wie man dicke Holzstämme mit Beitel, Kettensäge und Farben in Kunstwerke verwandelt.
  9. Die Zuschauer wurden neugierig, betrachteten das Geschehen und einige von ihnen ließen sich zum Mitmachen verführen – das war wirklich integratives Arbeiten!
  10. Am Dienstag war das Team mit einigen der neugewonnen Wiener Freunden zum Empfang bei der Deutschen Botschaft (siehe Foto rechts) eingeladen: es gab kurze Ansprachen und kleine Häppchen. Am Abend zuvor waren wir im Rathauskeller zu Gast bei dem Bürgermeister, die Wiener Gastgeber der Arche Noah hatten sich wirklich um ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm bemüht!
  11. Die Redaktion von Ohrenkuss …da rein, da raus traf sich um das Drehbuch für einen Liebesroman zu erarbeiten.
  12. Michaela berichtete während der Führung durch die Ausstellung über ihre Arbeit und ihr Leben. Die jungen Frauen waren wirklich sehr beeindruckt und stellten viele Fragen, die Michaela gerne ausführlich und geduldig beantwortete.
  13. Die Arche Noah bekam Freikarten für die Circus Roncalli Vorstellung.
  14. In diesem Café wurden die Fotos zu dem Liebesroman gemacht. Marc und Michaela stellten die Personen dar, die sich ineinander verlieben würden (siehe “Wien“).
  15. Im Künstlerhaus fand die Aufführung DAILY SECRETS, ein hervorragendes Tanztheater der Bilderwerfer zum Thema Sexualität statt. Die Darsteller sind Menschen mit und ohne sichtbare Handicaps.
  16. Am Ende dieser Woche waren wir alle, trotz des vielen Regens, voller neuer Eindrücke und Erlebnisse. Freundschaften wurden geschlossen, Entwicklungsschritte in die Selbständigkeit getan (Max muß sich jetzt keine Gutenachtgeschichte mehr vorlesen lassen, er ist groß geworden) und Pläne für Treffen in der Zukunft geschmiedet …